Wanderausstellung „Flusskrebse in NRW“ in Haus Müngsten eröffnet

Am Dienstag, den 18.2.2014 stellten Ulrich Hütten, Geschäftsführer von Haus Müngsten, Dr. Jan Boomers (Biologische Station Mittlere Wupper) und die Biologin Liza Helfen die Wanderausstellung des Edelkrebsprojektes NRW vor. Das gemeinsam vom Fischereiverband NRW und dem NABU NRW getragene landesweite Projekt hat sich zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit Kooperationspartnern entscheidend zum Schutz und zur Stützung der heimischen Flusskrebsbestände beizutragen.

Die Ausstellung informiert bis zum 31. März 2014 umfangreich über die Gefährdungssituation und Schutzmöglichkeiten der heimischen Flusskrebsarten. „Die mit mehreren Informationstafeln und Anschauungsmaterial konzipierte Ausstellung wird mit lebenden Tieren von Edelkrebs und Signalkrebs in zwei Aquarien ergänzt“ so Dr. Jan Boomers. „Wir freuen uns, mit dieser Ausstellung den Auftakt zu naturbezogenen Ausstellungen in Haus Müngsten in Kooperation mit der Biologischen Station machen zu können,“ ergänzt Ulrich Hütten „denn wo kann man sich unmittelbarer über Flusskrebse informieren und sie direkt in der Wupper beobachten, als in Haus Müngsten.“ Liza Helfen, in der Untersuchung der Signalkrebse der Wupper bewanderte Biologin gab weitere Einblicke in das Leben, die Bedeutung und die Gefahren heimischer Flusskrebse. „In unserer Region besiedelt der Signalkrebs die Wupper flächendeckend. Auch hier in Müngsten gibt es die Signalkrebse zu sehen, wenn man die Wupper in der Abenddämmerung ableuchtet. Vergangene Woche habe ich von der Terrasse des Haus Müngsten bereits vier Exemplare beobachten können.“ weiß Liza Helfen.

Die Flusskrebse kommen in NRW im offenen Gewässersystem vor, sowohl in Flüssen als auch in Stillgewässern. Sie verstecken sich unter Steinen oder in Höhlen. Die Höhlen können von Fischen gegraben und dann vom Flusskrebs besetzt oder vom Flusskrebs selber gegraben sein. Zu der Nahrung der Flusskrebse zählen Kleintiere, Fische, Wasserpflanzen und Falllaub. Eine Kiemenatmung ermöglicht den Flusskrebsen das Leben unter Wasser. Dennoch können sie bei günstigen Bedingungen längere Zeit an Land leben und somit weite Distanzen außerhalb des Gewässers zurücklegen, weil das Wasser in den Kiemenräumen gehalten werden kann und durch eine Zirkulation dauerhaft mit Sauerstoff angereichert wird.

In NRW gibt es zwei heimische Flusskrebsarten, den Edelkrebs und den Steinkrebs. Zu den Neozoen zählen der Galizische Sumpfkrebs, der Marmorkrebs, der Amerikanische Sumpfkrebs und nicht zuletzt der in der Wupper vertretene Signalkrebs. Der Signalkrebs wurde in Europa erstmals 1860 beobachtet. Da sich das äußere Erscheinungsbild sowie die Lebensweise vom Edelkrebs und Signalkrebs ähneln, sah man zunächst keine Problematik in dem Besatz mit Signalkrebsen. Beide Arten werden bis zu 18 cm lang. Ein auf den ersten Blick sichtbarer Unterschied ist lediglich der helle Fleck auf der Scherengelenkoberseite des Signalkrebses, der dem Edelkrebs fehlt. Im Laufe der Zeit hat sich gezeigt, dass der Signalkrebs schnellwüchsiger, reproduktionsfreudiger und aggressiver gegenüber dem Edelkrebs ist. Ein ökologisch wichtiger Punkt ist, dass der Signalkrebs Erreger einer Infektionskrankheit trägt, der Krebspest. Die Erreger dieser Krankheit sind Sporen eines Wasserpilzes, welche sich an weichen Bereichen des Krebspanzers anheften. Mögliche Infektionsstellen sind Augen, Scherengelenke sowie die Schwanzunterseite. Der Pilz dringt in den Organismus ein und das Gewebe wird binnen weniger Tage zerstört. Ein befallener Krebs zeigt Tagaktivität sowie ständiges Putzen. Seine Glieder fallen nach und nach ab und sein gesamter Körper wird mit Pilzfäden überwachsen. Der Tod des Flusskrebses tritt binnen weniger Tage ein. Der Signalkrebs ist gegen das Eindringen des Pilzes immun, weil er eine schützende Melaninschicht bilden kann, die ein weiteres Vordringen und Gewebeschädigungen verhindern kann. Der Edelkrebs hingegen kann sich dem Pilz nicht zur Wehr setzen und stirbt an der Infektion. Dadurch hat der Signalkrebs rund 90 % der Edelkrebs-Bestände durch die sich seuchenartig ausbreitende Krebspest ausgelöscht. Auch die Menschen sind potentielle Krebspestüberträger, weil sich die Sporen an Kleidung sowie Geräten haften und in andere Gewässer übertragen werden, wenn diese nach Gebrauch nicht vollständig trocknen. Eine Gefahr, die nicht unterschätzt werden darf ist das Einbringen fremdländischer Arten in Gewässer, wenn diese im Aquarium nicht mehr gewünscht sind oder wenn sie aus den Gartenteichen entlaufen. So hat sich auch der Signalkrebs in der Wupper ausgebreitet. Wie man durch sein eigenes Verhalten verhindern kann, das sich der Signalkrebs noch weiter ausbreitet und in letzte Rückzugsgebiete des Edelkrebses eindringen kann wird in der Ausstellung noch bis Ende März zu den üblichen Öffnungszeiten von Haus Müngsten aufgezeigt.