Der Eskesberg

Ein Naturschutzgebiet für Pioniere

Anders als üblich, stand am Anfang des Naturschutzgebietes Eskesberg, das im Jahr 2005 ausgewiesen wurde, nicht die zu schützende wertvolle Natur, sondern eine Rohbodenfläche, hergerichtet von Menschenhand zur Neubesiedelung durch Tiere und Pflanzen. Dies hängt mit der wechselvollen Geschichte des Eskesberges zu- sammen, der zuerst als Steinbruch, dann als Mülldeponie genutzt wurde und nun, nach entsprechender Vorbereitung, von der Natur zurückerobert werden kann.

Aus einem Steinbruch wird eine Mülldeponie …

Trotz mittlerweile üppigem Pflanzenwuchs sieht man dem etwa achteinhalb Hektar großen Naturschutzgebiet Eskesberg auch nach vier Jahren noch an, dass die Erdhügel, Tümpel und unterschiedlichen Gesteinsarten zu einer künstlich modellierten Landschaft gehören. Dass darunter eine Mülldeponie ruht, kann man sich angesichts der sich neu entfaltenden Natur allerdings kaum mehr vorstellen. Bis 1956 wurde das Gelände noch als Steinbruch genutzt. Aus jener Zeit ist auch der denkmalgeschützte Kalktrichterofen erhalten geblieben, der am Rande des heutigen Naturschutzgebietes steht. Nach Übereignung des Steinbruchs an die Stadt Wuppertal im Jahr 1957 wurde dieser dann als Deponie nach und nach mit Hausmüll gefüllt.

… und aus der Mülldeponie ein Naturschutzgebiet

Später wurde die Deponie mit Erde abgedeckt und von der Tier- und Pflanzenwelt zurückerobert. Im Jahr 2004 fand die Biologische Station dort blühende Wiesen und ausgedehnte Weiden- und Birkengebüsche vor. Diese boten Wiesen-Kammgras, Falscher Stachel-Segge und Bunter Kronwicke ebenso einen Lebensraum wie dem Sumpfrohrsänger, dem Fitis und der Klappergrasmücke.
Doch was oberflächlich so idyllisch wirkte, war unterirdisch marode und zu einem Risiko für Mensch und Umwelt geworden: Schadstoffe drohten über Auswaschung ins Grundwasser zu gelangen. In den Jahren 2004 und 2005 musste die Deponie deshalb aufwändig saniert und dabei die gesamte Oberfläche abgetragen werden.
Für das neue Relief des Eskesberges wurden unterschiedliche Bodengemische aus Kalk- splitt, Steinen, Lehm und anderen Materialien aufgebracht und zu einem kleinflächigen Mosaik verschiedener Lebensräume geformt. In nur wenigen Jahren nahmen Tiere und Pflanzen das Gebiet wieder in Besitz, darunter so seltene und bedrohte Arten, wie die wärmeliebende Bärenschote, der Sumpf-Teichfaden oder die Zerbrechliche Armleuchteralge.

Natur entdecken

Der Eskesberg erfreut sich bei Spaziergängern, Hundebesitzern und spielenden Kindern großer Beliebtheit. Im Jahr 2009 baute die Biologische Station dort in Zusammenarbeit mit dem Ressort Umweltschutz der Stadt Wuppertal, der gemeinnützigen Gesellschaft für Entsorgung, Sanierung und Ausbildung (GESA) und ehrenamtlichen Naturschützern eine „Wildbienenwand“. In deren Nistelementen aus Lehm und Holz können Wildbienen ihre Eier ablegen und auf zwei Informationstafeln finden Besucher Interessantes und Wissenswertes rund um die kleinen, nützlichen Bewohner des Eskesberges. Einmal im Jahr ist die Biologi- sche Station außerdem mit einem Bastel- und Informationsstand auf dem von der Stadt Wuppertal organisierten „Tag der Artenvielfalt“ vertreten.

Beobachten was passiert – und wenn nötig handeln

Das städtische Ressort Umweltschutz begleitet die Entwicklungen auf dem Eskesberg gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität zu Köln, dem Naturwissenschaftlichen Verein Wuppertal und der Biologischen Station Mittlere Wupper.

Die Biologische Station hat 2006 im Rahmen eines fünfjährigen Monitorings acht Dauer- quadrate eingerichtet, auf denen seitdem bei mehreren Begehungen pro Jahr die Gefäß- pflanzensippen erfasst werden. So lassen sich Veränderungen in der Pflanzenwelt auf dem Eskesberg gut dokumentieren. Zusätzlich wird eine Liste aller im Gebiet gefundenen Gefäßpflanzen geführt. Hierbei werden auch fremdländische Pflanzenarten erfasst, die ein- heimische Pflanzenarten verdrängen (invasive Neophyten). Auch die Auswirkungen der Freizeitnutzung auf dem Eskesberg werden dokumentiert. In den ersten drei Monitoring-Jahren wurden in dem neu gestalteten Offenlandbereich 220 Gefäßpflanzensippen erfasst von denen fünf im Süderbergland oder gar landesweit auf der Roten Liste stehen. Eine Besonderheit auf dem Eskesberg ist die Schmalblättrige Miere. Diese Pionierpflanze, die auf meist kalkreichen Böden wächst, ist im Süderbergland vom Aussterben bedroht und war im Großraum Wuppertal bisher nur mit einem einzigen Fundort bekannt. Auf dem Eskesberg hat sich ihr Bestand seit 2006 deutlich vergrößert. Um die Ausbreitung invasiver Neophyten wie der Herkulesstaude oder des Japanischen Flügelknöterichs einzudämmen, schlug die Biostation in den vergangenen Jahren bereits Pflegemaßnahmen vor. Vor allem durch wiederholtes Abmähen konnten die bestehenden Bestände geschwächt und an einer weiteren Ausbreitung im Jahr 2008 gehindert werden. Die Belastung der Offenlandbereiche durch Spaziergänger und freilaufende Hunde wird mit zunehmendem Bewuchs der offenen Flächen geringer. Die Hinterlassenschaften von Hun- den führen aber weiterhin zu einer unerwünschten Anreicherung des Bodens mit Nährstoffen.

Für die weitere Entwicklung des Eskesberges ist es wichtig, auch zukünftig Pflegemaßnahmen zur Bekämpfung invasiver Neophyten durchzuführen und dafür zu sorgen, dass die offenen Flächen nicht von Büschen und Bäumen zugewachsen werden.

Solch eine Biotop-Pflege-Aktion fand im Jahr 2011 unter der Leitung der Biologischen Station MIttlere Wupper und des Ressort Umweltschutz der Stadt Wuppertal statt. Einen kurzen Bericht über diese Aktion sowie Fotos können in diesem pdf-Dokument  eingesehen werden.

Auch in den foldenden Jahren wurden weitere Pflege-Aktionen geplant. Die Termine und weitere Informationen dazu können unserem Veranstatungskalender entnommen werden.

Weitere Informationen:
Der Kalktrichterofen (Wikipedia)

NSG Eskesberg

NSG Eskesberg

 

Mittlerweile bieten auf dem Eskesberg wieder zahlreiche Blütenpflanzen Nahrung für Schmetter- linge, Wildbienen und andere Insekten

Mittlerweile bieten auf dem Eskesberg wieder zahlreiche Blütenpflanzen Nahrung für Schmetter- linge, Wildbienen und andere Insekten

 

Am „Tag der Artenvielfalt“ bauen Schul- und Kindergartenkinder am Stand der Biologischen Station Wildbienennisthilfen

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Blick über das Dauerquadrat 3 im Jahr 2006

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Blick über das Dauerquadrat 3 im Jahr 2008

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