Das Ittertal

Ein grünes Band, das nicht zerreißen darf

Das Tal der Itter zieht sich wie ein schmales, grünes Band zwischen den Siedlungsflächen von Haan und Solingen hindurch und verbindet die Hildener Heide im Westen mit dem Steinbachtal und dem Wupperengtal im Osten. Durch fortschreitende Bebauung der Höhenrücken in Solingen und Haan wird diese letzte Brücke zwischen den größeren Landschafts- und Naturschutzgebieten jedoch immer schmaler. Wenn der Austausch von Tieren und Pflanzen zwischen diesen Gebieten unterbrochen wird, kann es zu genetischer Verarmung und sogar zum Aussterben von Tier- und Pflanzenarten kommen. Das Ittertal hat somit auf kommunaler und regionaler Ebene eine sehr hohe Bedeutung für den Biotopverbund.

Schutz des Biotopverbundes

Seit den achtziger Jahren erfolgen im Bereich des Ittertals und des angrenzenden Baverter Bachtals im Auftrag der Stadt Solingen mehrere, teils großräumige naturschutzfachliche Untersuchungen, an denen seit 2001 auch die Biologische Station Mittlere Wupper beteiligt ist. Auf dieser Grundlage hat die Stadt Solingen im Ittertal mittlerweile das 28 Hektar große Naturschutzgebiet „Mittleres Ittertal und Baverter Bachtal“ und den knapp 20 Hektar großen geschützten Landschaftsbestandteil „Obere Itter“ ausgewiesen. Weite Teile des übrigen Ittertals sind heute Landschaftsschutzgebiet.

Die Strukturvielfalt und Naturnähe des Naturschutzgebietes „Mittleres Ittertal und Baverter Bachtal“, mit den meist bewaldeten Talhängen, der offenen Talsohle und den landwirtschaftlich genutzten Höhenrücken, bietet für das Bergische Land typische Lebensräume, wie alte Buchenwälder, naturnahe Bäche und Tümpel und feuchte Wiesen und Weiden. Hier finden der Eisvogel, die Wasserfledermaus, die Ufer-Segge und andere seltene Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Das „Obere Ittertal“ wird von Grünland geprägt und besitzt am Osthang der Itter wertvolle magere Wiesen und Weiden. Dazu gehört auch die nach derzeitigem Kenntnisstand wertvollste silikatische Magerweide im Bergischen Städtedreieck. Hier wachsen so seltene Pflanzen wie Borstgras, Quendel-Kreuzblümchen, Blutwurz und Rundblättrige Glockenblume in größeren Mengen. Auch die im Bergischen Land stark gefährdete Feldlerche ist hier anzutreffen. Im Talgrund liegen naturnahe Nass- und Feuchtwiesen mit Tümpeln und Reihen von Kopfweiden.

Auch die Itter selbst, die zwischen ihrer Quelle östlich von Solingen-Gräfrath und ihrer Mündung in den Rhein bei Benrath streckenweise stark begradigt und durch Steinanschüttungen verbaut ist, schlängelt sich in den Schutzgebieten zumindest teilweise naturnah durch die Landschaft. Hier bietet sie anspruchsvolleren Wasser- und Uferpflanzen einen Lebensraum und dem Eisvogel hohe, steilwandige Uferabschnitte, in die er seine Bruthöhlen graben kann.

Grundlagen zur Pflege und Entwicklung schaffen

Im „Mittleren Ittertal und Baverter Bachtal“ hat die Biologische Station im Jahr 2001 eine Biotoptypenkartierung durchgeführt und Pflanzen, Brutvogelarten, Amphibien, Reptilien, Tagfalter, Libellen und Heuschrecken der Rote Liste erfasst. Zusätzlich wurden bislang vorliegende Ergebnisse zusammengetragen und ausgewertet, sowie mit der aktuellen Roten Liste abgeglichen. Die Erhebungen dienten als Grundlage zur Ausweisung des Bereiches als Naturschutzgebiet und wurden in einem Bericht zusammengefasst. Aus den vorliegenden Daten entwickelte die Biologische Station außerdem Pflege- und Entwicklungshinweise für das Gebiet. 2006 wurde das bestehende Pflegekonzept, in das weitere Flächen einbezogen wurden, überarbeitet. Um Pflegemöglichkeiten, wie Beweidung, auf ihre Wirkung zu testen und ein optimales Pflegeverfahren zu finden, wurden im Sommer 2006 außerdem die Gefäßpflanzen und die Heuschrecken des Gebietes untersucht.
Auch für den geschützten Landschaftsbestandteil „Obere Itter“ führte die Biologische Station im Jahr 2005 eine Biotoptypenkartierung durch. Außerdem wurde eine Gesamtartenliste der Gefäßpflanzen erstellt und Pflanzen, Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Reptilien, Heuschrecken und Libellen der Roten Liste und der Vorwarnliste erfasst. Diese Daten boten die Grundlage, um auch für dieses Gebiet Pflege- und Entwicklungshinweise zu erarbeiten.

Wichtige Maßnahmen zu Pflege und Entwicklung

Vorrangig für die Pflege und Entwicklung der beiden Schutzgebiete ist vor allem, dass die Wiesen und Weiden extensiv gemäht oder beweidet werden, damit die seltenen Pflanzenarten, die dort wachsen, erhalten bleiben. Nicht einheimische Pflanzen, die sich dort angesiedelt haben, wie etwa der Japan-Flügelknöterich, aber auch andere sich stark ausbreitende Pflanzen, wie der Adlerfarn und die Brombeere, sollten beobachtet und wo nötig entfernt werden, damit sie keine seltenen Arten verdrängen. Die Waldbereiche können naturnäher gestaltet werden, indem standortfremde Baumarten, wie Fichten, durch standortgerechte Baumarten, wie Buchen ersetzt werden. Hochstämmige Obstbäume, Kopfweiden und Hecken sollten regelmäßig geschnitten werden.
Aber auch die Itter kann von Entwicklungsmaßnahmen profitieren. Steinanschüttungen an den Ufern sollten entfernt werden, damit der Bach wieder natürliche Uferbereiche ausbilden kann, an denen sich Tiere und Pflanzen ansiedeln. Dort wo Barrieren für Fische bestehen, können diese durch den Bau von Fischtreppen überwunden werden. Die Belastung der Itter mit Schadstoffen aus Kläranlagen und Abschlägen und durch die Düngung des Umlandes, sollte so stark wie möglich verringert werden.

So gibt es zum Erhalt und zur Entwicklung des Ittertals noch Einiges zu tun, doch genauso wichtig ist es, das Tal weiterhin vor der fortschreitenden Bebauung zu schützen.

Geschützter Landschaftsbestandteil „Obere Itter“

Geschützter Landschaftsbestandteil „Obere Itter“

 

Naturschutzgebiet „Baverter Bachtal/Mittleres Ittertal“

Naturschutzgebiet „Baverter Bachtal/Mittleres Ittertal“

 

Magerwiese bei Mühlenbusch im geschützten Landschaftsbestandteil „Obere Itter“

Magerwiese bei Mühlenbusch im geschützten Landschaftsbestandteil „Obere Itter“

 

Nur auf wenigen Flächen im nördlichen Bergischen Land ist das Quendel-Kreuzblümchen noch zu finden.

Nur auf wenigen Flächen im nördlichen Bergischen Land ist das Quendel-Kreuzblümchen noch zu finden.

 

Der Bergische Naturschutzverein bei der regelmäßigen ehrenamtlichen Pflege einer Feucht- und Nasswiese an der Itter

Der Bergische Naturschutzverein bei der regelmäßigen ehrenamtlichen Pflege einer Feucht- und Nasswiese an der Itter

 

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