Naturschutzgebiet Panzertal

Eine Talsperre für den Artenschutz

Die Panzertalsperre bei Remscheid Lennep versorgte die Lenneper knapp 100 Jahre lang mit Trinkwasser aus dem Panzerbach, bevor sie 1990 außer Betrieb genommen wurde. Doch das macht die zweitälteste Talsperre Deutschlands noch lange nicht überflüssig. Während der Nutzung zur Trinkwassergewinnung siedelten sich in den ausgedehnte Wechselwasserzonen am Talsperrenrand zahlreiche gefährdete Pflanzenarten an, die die Talsperre für den Schutz seltener Pflanzenarten zu einem der wertvollsten Gebiete im nördlichen Bergischen Land machen. So konnten sich hier zum Beispiel Massenvorkommen des seltenen Strandlings und zeitweise mehrere tausend Exemplare des stark gefährdeten Lungen-Enzians entwickeln. Diese blau blühende Pflanze wächst an der Panzertalsperre schon mindestens seit 1905, ist ansonsten jedoch im gesamten Süderbergland nördlich der Sieg ausgestorben. Wegen dieser Bedeutung für den Artenschutz wurde die Talsperre mit dem angrenzenden Wald und Bächen 1997 als gut 27 Hektar großes Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Eine wechselhafte Zeit für Pflanzen der Wechselwasserzone

Seit der Nutzungsaufgabe der Talsperre sind viele der seltenen Pflanzenarten, die sich vor allem im Bereich der Wechselwasserzone bzw. der oberen Hochwasserlinie angesiedelt haben, gefährdet. Sie benötigen zum Überleben auch weiterhin die durch den Talsperrenbetrieb hervorgerufenen schwankenden Wasserstände und eine gute Wasserqualität mit geringer Nährstoffbelastung. Nach Aufgabe der Nutzung war es damit jedoch vorerst vorbei. Zwischen 1990 und 2002 wurde die Talsperre zunächst über mehrere Jahre im Vollstau betrieben, dann mit wechselnden Wasserständen, in 2001 wegen Reparaturarbeiten mit halber Stauhöhe und schließlich wieder mit wechselnden Wasserständen. Im Jahr 2002 wurde auch die Ausweisung als Wasserschutzgebiet aufgehoben, womit seitdem eine gleichbleibend gute Wasserqualität wegen der im Einzugsgebiet angesiedelten Intensiv-Landwirtschaft nicht mehr unbedingt gewährleistet ist. Zwischenzeitlich wurde sogar überlegt, die Talsperre ganz abzulassen, um sich die nötige Sanierung des Sperrbauwerkes zu sparen. Für den Lungenenzian und andere seltene Pflanzenarten wäre das wahrscheinlich das Ende gewesen. Anfang 2007 übernahm jedoch der Wupperverband die Talsperre, die nun saniert werden und damit weiterhin erhalten bleiben soll. Sie wird in das Wasserregime des Wupperverbandes eingebunden und soll künftig zum Hochwasserschutz und zur Aufhöhung des Wupperpegels bei Niedrigwasser beitragen.

Ein ewiges Auf und Ab des Wasserpegels

Auf Veranlassung der Bezirksregierung Düsseldorf erstellte die Biologische Station 2006 ein Konzept, das die wichtigsten technischen Rahmenbedingungen zum Erhalt des Lungen- Enzianvorkommens beschreibt. Die Biologische Station empfiehlt in diesem Gutachten vor allem, die früheren Pegelschwankungen weiterhin beizubehalten. Auch die gute Wasserqualität soll aufrecht erhalten beziehungsweise wieder hergestellt werden. Denn der Lungen-Enzian ist, ebenso wie auch andere seltene Pflanzenarten im Gebiet, neben den Wasserstandsschwankungen auf nährstoffarme Böden angewiesen. Einen positiven Einfluss auf die Wasserqualität haben vorbeugende Maßnahmen im Einzugsgebiet des Panzerbaches und der übrigen Talsperrenzuflüsse. Dazu gehören zum Beispiel die Verringerung des Düngemittel- und Pestizideinsatzes, die Erhaltung und Entwicklung naturnaher Wälder im Umfeld der Quellsiefen und ein fortbestehendes Betretungsverbot des Talsperrengeländes.

Weitere Untersuchungen der Biologischen Station

Doch auch vor 2006 hatte die Biologische Station schon Untersuchungen im Gebiet durchgeführt. Im Auftrag der Stadt Remscheid erfasste sie zwischen 2001 und 2003 die Biotoptypen, ebenso wie die Gefäßpflanzen-, Armleuchteralgen-, Fledermaus-, Reptilien- und Amphibienarten der Roten Liste und der Vorwarnliste. Außerdem wurden Dauerquadrate zur langjährigen Beobachtung der Vegetationsentwicklung im Bereich der oberen Hochwasserlinie angelegt. Die Ergebnisse der Untersuchungen fasste die Biologische Station in einem Bericht zusammen. Dabei nannte sie neben den seltenen Pflanzenarten auch zahlreiche Tierarten, für die das Gebiet ein wertvoller Lebensraum ist, wie zum Beispiel für Wasser- und Zwergfledermaus, Reiherente, Kormoran, Haubentaucher und Ringelnatter.

Trotz fleißiger Helfer ist der Bestand des Lungen-Enzians weiterhin gefährdet

Auch die Bestandsentwicklung des Lungen-Enzians beobachtet die Biologische Station seit 2001 jährlich und stellte dabei fest, dass dem Enzian neben den mangelnden Wasserstandsschwankungen vor allem die fehlende Pflege der Uferstreifen zusetzt. Seit 2002 koordiniert sie deswegen regelmäßig Pflegeeinsätze mit freiwilligen Helfern des NABU Remscheid. Da werden am Rande der Enzianbestände Gehölze zurückgeschnitten und auf den Uferstreifen Baumsämlinge ausgezupft, da wird gemäht und ein Teil der Grasnarbe entfernt, um dem Enzian freie Bodenflächen zu seiner Ausbreitung zu schaffen. Die Maßnahmen sind jedoch oft nur auf wenige Quadratmeter große Teilflächen beschränkt und deswegen kaum ausreichend, um die Standorte dauerhaft zu erhalten.

Weitere Informationen:
Informationen des Wupperverbandes zur Panzertalsperre

Karte-Panzertal

 

Panzertalsperre

In den Wechselwasserzonen der Panzertalsperre wachsen seltene Pflanzenarten, wie der Strandling

 

Der Lungen-Enzian hat an der Panzertalsperre sein einziges Vorkommen im gesamten Süderbergland nördlich der Sieg

Der Lungen-Enzian hat an der Panzertalsperre sein einziges Vorkommen im gesamten Süderbergland nördlich der Sieg

 

Jährliche Pflegeeinsätze sollen das Verschwinden des Lungen-Enzian-Bestandes verhindern

Jährliche Pflegeeinsätze sollen das Verschwinden des Lungen-Enzian-Bestandes verhindern

 

 

Betreuungsgebiete > Remscheid > Naturschutzgebiet Panzertal