Glocken-Heide (Erica tetralix)

Wer in Solingen über die Wupperberge oder durch die Ohligser Heide spaziert, freut sich im Hochsommer über die rosa Blüten der Besenheide (Calluna). Sie ist an mageren, trockenen Wegrändern auch in unserem Raum noch weit verbreitet. Im Volksmund wird diese Pflanze oft „Erica“ genannt. Hinter der wahren Erica verbirgt sich jedoch eine andere, wenn auch nahe verwandte Pflanze, die Glocken-Heide. Diese besitzt ebenfalls rötliche, jedoch größere, krugförmige Blüten. Bei genauerem Hinschauen kann man gelegentlich auch diesen seltenen Zwergstrauch bei uns finden. Oft ist er mit der Besenheide vergesellschaftet, wächst aber stets an nasseren Stellen als diese.

Die Glocken-Heide ist eine Charakterpflanze der Feuchtheiden und Heidemoore. Sie ist somit auf nährstoffarme und feuchte Standorte bei zugleich sauren Bodenverhältnissen angewiesen. Gerne wurzelt sie auf Torfböden und stark humosen Sandböden und trägt dabei selbst zur Bildung eines dichten Filzes von Heidehumus bei.

Die Glocken-Heide wird bis zu 70 cm hoch und besitzt aufrechte, behaarte und dicht beblätterte Zweige. Die nadelartigen, immergrünen Blätter sind zu drei bis vier wirtelig angeordnet und steifhaarig bewimpert. An den Zweigenden bilden jeweils 5 bis 15 rosarot gefärbte Blüten den kopfig doldigen Blütenstand. Die Blütezeit ist im Juli und August.

Als Pflanze mit atlantischem Verbreitungsgebiet kommt sie vor allem in Nordwestdeutschland vor. In den kontinental geprägten östlichen Teilen Europas sowie in Österreich und der Schweiz fehlt sie vollständig. Weltweit ist die Gattung Erica (die korrekte Betonung liegt übrigens auf der zweiten Silbe) mit über 500 Arten vertreten. In NRW kommt überwiegend Erica tetralix, also die Echte Glocken-Heide, vor. In den südlichen und östlichen Landesteilen steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten. Auch im Süderbergland, dem der größte Teil Solingens zuzurechnen ist, gilt sie als gefährdet. Durch Entwässerung und Stickstoffanreicherung ist sie im Bestand rückläufig.

In Solingen kommt diese Pflanze nur noch in der Ohligser Heide in größeren Beständen vor. Hier sind sogar Bestandszuwächse zu verzeichnen. Außerhalb dieses Naturschutzgebietes sind nur noch wenige Einzelpflanzen bekannt. Diese wachsen an feuchten Wegrändern in den Wäldern zwischen Müngsten und der Sengbachtalsperre.

Hinweise über aktuelle Standorte dieser seltenen Pflanze (außerhalb der Ohligser Heide) sind stets willkommen. Bitte wenden Sie sich zu diesem Zweck an die   Biologische Station Mittlere Wupper.

Literatur:

  • Düll, R.& h. Kutzelnigg (1994): Botanisch-ökologisches Exkursionstaschenbuch. Verlag Quelle u. Meyer, Wiesbaden
  • Hölting, M. (2000): Liste der Farn- und Blütenpflanzen in Solingen und der grenznahen Umgebung. - 3., ergänzte und geänderte Auflage. Selbstverlag.
  • Wendelberger, E. (1986): Pflanzen der Feuchtgebiete. BLV Verlagsgesellschaft mbH,  München
  • Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten / Landesamt für Agrarordnung NRW (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 3. Fassg. - LÖBF-Schr.R. 17
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