Naturschutzgebiet Morsbach und Rheinbach
Ein städteübergreifendes Schutzgebietspuzzle
Der Morsbach ist einer der größten Wupperzuflüsse im Bergischen Land. Sein tief eingeschnittenes, bewaldetes Tal zieht sich nahezu durch den gesamten Remscheider Norden und bildet dann, bis zu seiner Mündung bei Müngsten, über weite Strecken die Grenze zwischen Remscheid und Wuppertal. In beiden Städten stehen Teile des Morsbaches mit seinen kleineren Seitenbächen, den angrenzenden schmalen Auen und den steilen Talhängen unter Naturschutz. So fügen sich das Remscheider Schutzgebiet „Unteres Morsbachtal mit Hölterfelder Siefen und Fürberger Bachtal“ und das Wuppertaler Schutzgebiet „Morsbach und Rheinbach“ entlang des Morsbaches wie Puzzleteile zu einem über 85 Hektar großen Schutzgebietskomplex zusammen. Nicht nur seltene Arten wie die Blauflügel- Prachtlibelle leben hier, auch der Lachs, der in diesem Gewässersystem seit mehr als 100 Jahren ausgestorben ist, soll wieder angesiedelt werden. Der Erfolg dieses Versuches kann jedoch erst in einigen Jahren beurteilt werden, wenn die ausgewachsenen Lachse aus dem Meer zurückkehren, um zu laichen.
Das knapp 50 Hektar große Wuppertaler Naturschutzgebiet setzt sich aus sechs Teilgebieten zusammen. Es wird vor allem durch naturnahe Bäche und Waldbereiche, sowie durch zahlreiche Teiche und Tümpel geprägt. Besonders wertvolle Zuflüsse des Morsbaches sind der Rheinbach, der Beckerhofer Siefen und der Schoeppenberger Bach. Sie fließen als Mittelgebirgsbäche in weiten Teilen naturnah durch steile Kerbtäler und bieten heimischen Amphibien wie dem Feuersalamander einen Lebensraum. Die zahlreichen Bachstaue und Teichanlagen sind teilweise auf die historische Nutzung als Fischteiche und teilweise auf Naturschutzmaßnahmen zurückzuführen. Hier sind seltene Amphibien- und Libellen, wie der Kammmolch, die Geburtshelferkröte oder die Blauflügel- Prachtlibelle, zu Hause.
Auf den bewaldeten Hängen wachsen vor allem Buchen, Hainbuchen und Trauben-Eichen. Darunter sind auch ältere Bäume, deren Stammdurchmesser schon über einen halben Meter beträgt. In solchen alten, totholzreichen Waldbeständen gibt es genug Höhlen, in denen seltene Vogelarten, wie der Schwarzspecht, der Kleinspecht und die in unserer Region seltene Hohltaube, brüten können. Auf den wenigen kleinflächigen Weiden und Wiesen des Gebietes wachsen seltene Pflanzen, wie die Rundblättrige Glockenblume.
Erst schauen was da ist und dann sehen, was man verbessern könnte
In den Jahren 2006 bis 2008 erfasste die Biologische Station im Naturschutzgebiet „Morsbach und Rheinbach“ flächendeckend die Biotopstruktur sowie gefährdete und regional seltene Pflanzen, Brutvögel, Amphibien, Reptilien, Libellen, Tagfalter und Heuschrecken. Zusätzlich wurden für ausgewählte Teilbereiche Listen aller dort wachsenden Pflanzenarten angefertigt. Auf der Grundlage der gesammelten Daten erarbeitete die Biologische Station Maßnahmen zur Pflege- und Entwicklung des Gebietes und fasste diese mit den Geländedaten in einem Pflege- und Entwicklungsplan zusammen.
Es gibt immer was zu tun
Von besonderer Bedeutung für die Artenvielfalt ist es, die Wiesen, Weiden und Röhrichte des Naturschutzgebietes zukünftig zu pflegen und weiter zu entwickeln. Denn obwohl sie nur einen geringen Flächenanteil ausmachen, wurden dort mit dem Sumpf-Blutauge und der Blasen-Segge zwei Arten der Roten Liste gefunden. Hinzu kamen sechs weitere Arten der Vorwarnliste. Werden diese Flächen jedoch weiterhin sich selbst überlassen, so wachsen sie mit Büschen oder fremdländischen Pflanzenarten (Neophyten) zu und gehen als wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen, aber auch für Reptilien-, Heuschrecken- und Tagfalterarten, verloren.
Da es nicht möglich ist, die Neophyten im ganzen Naturschutzgebiet zu bekämpfen, schlägt die Biologische Station vor, die besonders wertvollen Teilbereiche neophytenfrei zu halten. Außerdem sollten naturferne Waldbereiche mit Fichten, Lärchen und Roteichen in naturnahe Wälder aus Buchen und anderen einheimischen Laubbaumarten umgewandelt werden.
Wenn die Wasserqualität des Morsbaches weiter verbessert wird, können sich hier auch wieder verschmutzungsempfindliche Wasserpflanzen und Fischarten ansiedeln.



