FFH-Gebiet Ohligser Heide

Fast verschwunden und doch gerettet

Die Ohligser Heide zeigt wie kein anderes Gebiet im Städtedreieck, dass die Ausweisung als Naturschutzgebiet alleine wenig bewirkt, jedoch die konsequente Planung und Umsetzung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen erfolgreich zur Verbesserung eines Gebietes beitragen können. War die Ohligser Heide noch in den 1970er Jahren in einem sehr schlechten Zustand, so gehört sie heute, nach über zwanzigjähriger Durchführung von Renaturierungs-Maßnahmen, zu den wertvollsten Schutzgebieten der rechtsrheinischen Heideterrasse.

Ein Stück Heide am Rande des Bergischen Landes

Das mittlerweile 147 Hektar große Naturschutzgebiet ist heute wieder geprägt durch Feucht- und Trockenheide, durch Birkenmoorwälder und Erlenbruchwälder in den feuchten Senken und durch Kiefern- und Eichenwälder auf den sandigen Höhenrücken. Drei Bäche und zahlreiche kleinere Tümpel sowie ein größerer Teich bieten Lebensraum für Amphibien und seltene Libellenarten, wie den Kleinen Blaupfeil.

Die Ausweisung als Naturschutzgebiet alleine reichte nicht

Mitte der 1970er Jahre befand sich die Ohligser Heide dagegen noch in einem sehr schlechten Zustand. Die Ausweisung als Naturschutzgebiet 1936 und dessen schrittweise Vergrößerung von 28 auf 129 Hektar hatten nicht zu Verbesserungen im Gebiet beigetragen. Stattdessen war es geprägt durch nicht bodenständige Baumarten, wie Roteiche, Lärche, Fichte und Hybridpappel, ein ausgebautes Freibad im Zentrum und ein dichtes Wegenetz, verbunden mit einer Vielzahl an Entwässerungsgräben. Die wertvollen birkenbruchartigen Waldbestände und die heidemoortypische Fauna und Flora von einst kamen nur noch als Relikte vor.
Erst durch die seit den 1980er Jahren durchgeführten Maßnahmen zur Renaturierung der Ohligser Heide haben sich die Flächenanteile besonders schutzwürdiger Lebensraumtypen wieder um ein vielfaches erweitert. Diese Maßnahmen wurden damals von ehrenamtlichen Naturschützern, wie Max Hölting und Fernand Willig vom Bergischen Naturschutzverein (RBN), initiiert und anschließend gemeinsam mit der Stadt Solingen umgesetzt. Als Konsequenz erholten sich seltene Tier- und Pflanzenarten, wie die Glockenheide, die Moorlilie und der Mittlere Sonnentau, deutlich.

Die Pflege und Weiterentwicklung der Ohligser Heide seit den 1980er Jahren

Nachdem das vom RBN veranlasste sogenannte Miland-Gutachten 1979 eine erste Zustandsbeschreibung und Entwicklungsperspektive aufzeigte, bot das 1986 verfasste Gutachten „Biotopmanagement auf ökologischer Grundlage“ von SCHALL et al. mit seinen Maßnahmenempfehlungen zum Biotop- und Artenschutz die wissenschaftliche Grundlage für die intensiven Renaturierungs-Maßnahmen.
SCHALL et al. empfahlen damals vor allem Entwässerungsgräben zu verschließen, um die Wasserversorgung der Feuchtheiden zu verbessern und die Moorbereiche zu vergrößern, baumfreie Bereiche zu schaffen, um die Entwicklung von Heideflächen zu fördern, für Heidegebiete typische nährstoffarme Gewässer anzulegen und fremdländische Baumarten durch heimische, standorttypische Baumarten zu ersetzen. Außerdem schlugen sie den Rückbau des damaligen Wegenetzes, die Entfernung des Heidebads und die Beruhigung der Langhans-Straße vor.
Die Aufgabe der Biologischen Station Mittlere Wupper war es Ende der 1990er Jahre im Auftrag der Stadt Solingen die erreichten Veränderungen im Gebiet zu bewerten und die bisher durchgeführten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in ihrer Effizienz zu überprüfen und entsprechend fortzuschreiben.
Hierzu wurden in den Jahren 1998 und 1999 detaillierte Erhebungen zur Tier- und Pflanzenwelt des Gebietes durchgeführt und der Pflege- und Entwicklungsplan auf dieser Grundlage im Jahr 2000 fortgeführt.
Zu den Untersuchungen der Biologischen Station gehörten Bodenproben, eine Biotoptypenkartierung, die Auswertung von zehn seit 1989 bestehenden Dauerquadraten unter pflanzensoziologischen und ökologischen Gesichtspunkten und Anlage von fünf neuen Dauerquadraten, die Aufnahme der Farn- und Blütenpflanzen sowie die Erfassung der Vogel-, Amphibien-, Reptilien-, Libellen-, Heuschrecken- und Tagfalterarten. Der Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen führte 1998 zusätzlich eine Untersuchung der Fledertiere durch. In 2006 erfolgte dann die zweite Fortschreibung des Pflege- und Entwicklungsplanes durch die Biologische Station.
Auch in den beiden Fortschreibungen des ersten Pflege- und Entwicklungsplanes spielen Maßnahmen, wie die Entfernung von Nadelbäumen und standortfremden Laubbäumen, das Schließen von Entwässerungsgräben und die Reaktivierung ehemaliger Heideflächen weiterhin eine große Rolle.

Und was hat es gebracht?

In 2008 wurde eine flächendeckende Gebietsbegehung mit Zustandskontrolle der wertgebenden Pflanzenarten in Wald und Offenland, sowie der Entwicklung der Wald- und Offenlandbiotoptypen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die kontinuierliche und häufig sehr zeitnahe Umsetzung der Maßnahmen aus den Pflege- und Entwicklungsplänen durch die Stadt Solingen zu einer guten Bestandsentwicklung heidetypischer Pflanzen geführt hat. Der Flächenanteil der Feucht- und Trockenheide hat hierbei in gleichem Maße zugenommen wie die Bruchwaldanteile. Im Vergleich zu den Bestandsaufnahmen aus den Jahren 1998 und 1999 haben sich die Standorte charakteristischer und häufig auf der Roten Liste NRW stehender Pflanzensippen, wie die des Mittleren Sonnentaus, des Schmalblättrigen Wollgrases oder des Braunen Schnabelriedes, zum Teil deutlich erhöht. Wertmindernd sind nach wie vor der im Westen und Süden des Gebietes festzustellende hohe Anteil standortfremder Nadelbäume und das vor allem von Westen zu beobachtende Eindringen fremdländischer Pflanzen, wie Japanischer Flügelknöterich. Auch das im Zentrum des Gebietes gelegene Freibad Heide wirkt sich, durch die großen Besucherzahlen im Sommer und die Beeinflussung des natürlichen Gewässerhaushaltes, weiterhin negativ auf den Gebietszustand aus. In der Heide gibt es also noch Einiges zur Verbesserung zu tun!

Wie die Heide an den Rand des Bergischen Landes kam

Noch vor 100 Jahren prägten ausgedehnte Heideflächen die Landschaft zwischen Hilden, Solingen und Langenfeld. Als drei bis fünf Kilometer breites und etwa 80 Kilometer langes Band zog sich die Bergische Heideterrasse am Fuße des Bergischen Landes von Duisburg im Norden bis Siegburg im Süden.
Die Heide entwickelte sich, nachdem vor etwa 300 Jahren die dichten Laubwälder zwischen Hilden, Solingen und Langenfeld abgeholzt worden waren. Schäfer trieben ihre Herde zum Weiden auf die mageren Flächen und Bauern verwendeten die Heidepflanzen mitsamt Oberboden als Stalleinstreu. Als sich die Schafhaltung nicht mehr lohnte, wurden viele Heideflächen durch Gräben entwässert und aufgeforstet. In anderen Bereichen entstanden Siedlungen. Heute existieren am nördlichen Ende der Bergischen Heideterrasse nur noch kleinere Heidebestände innerhalb der Naturschutzgebiete Hildener Heide, Ohligser Heide und Further Moor. In besonders nassen, sumpfigen Waldbereichen wachsen wie einst sogenannte Bruchwälder aus Schwarzerlen und Moorbirken.

Ausflugstipp

Wer Heide und Bruchwald näher kennen lernen möchte, findet in den Infokästen an den Eingängen der Ohligser Heide den Flyer „Heidepfad“. Auf zwei Rundwanderwegen durch das Naturschutzgebiet erfahren Sie Sehens- und Wissenswertes über dessen Geologie, Tiere und Pflanzen. Besonders wenn die Schafherde im Sommer im Gebiet unterwegs ist, oder im August zur Heideblüte, lohnt sich ein Besuch. Zu diesen Gelegenheiten bietet die Biologische Station Mittlere Wupper in ihrem Veranstaltungsprogramm auch regelmäßig Exkursionen an.

Wer die Heideflächen unserer Region über Solingen hinaus erkunden möchte, findet in der Freizeitbroschüre „Hilden erleben“ und in der „Freizeitkarte Solingen“ jeweils eine ausführliche, von den Biologischen Stationen Haus Bürgel und Mittlere Wupper gestaltete Heide-Wanderung. Die Karten sind im Buchhandel und in den Bürgerbüros der Städte Hilden und Solingen erhältlich.

Weitere Informationen:
Städteübergreifendes Schafbeweidungsprojekt

FFH-Gebiet Ohligser Heide

FFH-Gebiet Ohligser Heide

 

Der Heideweiher im Zentrum der Ohligser Heide

Der Heideweiher im Zentrum der Ohligser Heide

 

Dank der Heidepflege können Besucher seltene Pflanzen, wie die Glockenheide, bewundern

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Der Rundblättrige Sonnentau fängt als „Nahrungsergänzung“ kleine Insekten

Der Rundblättrige Sonnentau fängt als „Nahrungsergänzung“ kleine Insekten

 

Im Sommer wird die Heide wie einst von einer Wanderschafherde gepflegt

Im Sommer wird die Heide wie einst von einer Wanderschafherde gepflegt

 

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